Über das Wesen der SteinmagieAmulett Arab. hamalet = Anhängsel davon lat. amuletum, dt. Amulett (in Frankreich seit Ende des 16., im
Deutschen ab Anfang des 18. Jahrhunderts in Verwendung; mittelalterliche Synonyma: ligamentum,
ligatura, phylacterium; letzteres ist gleichbedeutend mit ahd. pleh, plehir (Amulette waren
damals vorwiegend aus Blech!), sonst ahd. zoubar (Zauber), später Angehenke.
Amulett ist alles das, was sich die Menschen um den Hals oder irgend einen anderen Körperteil
anhängen oder auf irgend eine Weise anbinden, auch in den Kleidern bei sich tragen oder an
einem bestimmten Ort aufstellen, um Krankheiten zu vertreiben, die körperliche Verfassung zu
kräftigen, oder anderes zu gewinnen, mag dies geschehen auf anständige, erlaubte und natürliche
Weise oder auf superstitiöse (in Abfall oder Abweichung vom wahren Glauben). Im engeren Sinne
bezeichnet das Wort Amulett irgend einen Körper, der mit Charakteren, mit einem Bilde oder einer
bestimmten Figur gezeichnet ist, um sich mit Hilfe überirdischer Kraft außerordentlicher
Wirkung zu versichern.
Achat... war der achte Edelstein in Aarons Amt=Schildlein und pfleget derselbe die Augen mit vielerley Farbe zu belustigen. Man sagt, er schaffe den Gesichten erwünschten Nutzen, und widerstehe denen Scorpionen und Spinnen. Unter dem Stichwort "Agat" : Es ward ihm von diesn eine sonderliche Krafft dem Gifft zu widerstehen, zugeschrieben,
ingleichen das Hertz zu stärken. Allein diese Krafft bestund in der blossen Einbildung, und
alles, was dem Stein kan zugedacht werden, mag etwan sein, daß er alcalisch ist, und den
Durchlauff und das Bluten stillt, wie etwan die Corallen thun, wann er wie diese, zart gerieben
und eingenommen wird. Daß der Rauch von Achaten [sic!] ein Ungewitter vertreiben soll, ist wol
sicher mit unter die Aberglauben zu rechnen.
Jede Nacht, bevor sich der Mensch ins Bett legt, trage er den Achat offen durch sein
Haus, und zwar in Kreuzesform, einmal das Haus der Länge nach und dann der Breite nach
abgehend. Dann werden dort die Diebe ihre Absichten nicht durchführen können und
keinen Erfolg haben und beim Stehlen den kürzeren ziehen.
Amethyst Der eitle Aberglaube der Magier verspricht, diese Steine wirkten dem Rausch entgegen,
und daher hätten sie ihren Namen, und weiter, wenn man die Namen des Mondes und der
Sonne in sie einschreibe und sie zusammen mit den Haaren eines Hundskopfaffen und den Federn
einer Schwalbe um den Hals trüge, so schützten sie auch vor Giftmischerei; ja, sie
könnten einem dazu verhelfen, Zugang zu Königen zu finden, und auch dazu, Hagel und
Heuschrecken abzuwenden. Die Magier haben dies, denke ich, nicht ohne Verachtung und Spott
für das Menschengeschlecht niedergeschrieben.
Weil dieser Stein dem Diamant an Härte gar nahe kömmt, und ein gleiches Wasser hat, wird er
offt durch Kunst auf die art wie der Sapphir weiß gemacht, und vor Diamanten verkaufft. Er
wird auch durch Betrug nachgemachtmit einer Viol=braunen Farb, oder einer dergleichen Folie
zwischen zween Crystallen versetzet. Oder man nimmt praeparirten Flinten=Stein, der fein blau
oder hell=braun ist, oder rötlicht, vier Loth, ordinaire Mennige 12. Loth, vermischet beyde
wohl untereinander, thut darzu der praeparirten Magnesiae 16. Gran, Zaffera 2. oder 3. Gran,
solches zusammen in einen Ofen gethan, und geschmoltzen, so bekömmet man einen schönen
Amethist. Oder: Nehmet zart pulverisirten Flintenstein 3. Quentchen, Nitri fixi 1.Quentchen,
Borrax 3. Quentchen,Tincturae Veneris 54 Gran, Tincturae Martis, Magnesiae von jedem 50. Gran.
Diese beyden Tincturen vermischet man erst wohl mit einander, denn thut man die andern Stücke,
nachmals den Fluß von Nitro und Borrax auch wohl vermischter dazu, setzt es in einen
Schmeltz=Tiegel in Wind=Ofen, gibt Anfangs gelind Feuer, bis es glüet, dann gibt man 2.
oder 3. Stunden starck Feuer, endlich giesset man es aus in Formen, und lasset es allmählig
kalt werden, damit es nicht reisse oder von einander springe.
Asbest Es kan auch das gröbste und kürzeste Theil, das nicht so gläntzend, noch gar schöne ist, und
als wie Baumwolle siehet, davon gesondert werden: Dieses läßt sich spinnen, und man kan
Leinwand daraus machen, welche im Feuer nicht verbrennet, sondern nur weisser und von aller
Unreinigkeit gesaubert wird. [...] Dieses ist dan derjenige Stein, woraus die alten Römer und
einige orientalische Völcker ihre unverbrennlich Leinwand gemacht haben, worinnen der Könige
und anderer Grossen Leiber verbrannt wurden, damit die Asche darinnen, unvermischet mit der
Asche des Holtz=Hauffens, möchte beybehalten werden.
Bernstein Den Agtstein, es sey auf welche Weise es wolle, zu suchen, ist in dem Königreiche Preussen
niemandem erlaubet, sondern der König allein hat ein Monopolium dazu, welches ihm jährlich
ein sehr grosses einträget, und gemeiniglich unter Gewissen Gesetzen und Bedingungen verpachtet
wird, dahero gewisse Aufseher und Beamte dazu bestellt sind, so auf die Arbeiter und andere
acht zu haben, damit nichts entwendet, sondern alles in die dasige Bernstein=Kammer zu Schloß
eingeführet werde, da es denn jährlich an die Elbingische, Dantziger, und andere
Börnstein=Drechsler und Händler verkauffet wird.
Bernsteinerner Brenn=Spiegel Diese Brenn=Spiegel, welche viel schneller im Brennen und Pulver=anzünden sind, als die
gläsernen, sind zuerst an. 1691 im Junio von Christian Porschinen, berühmten
Bernstein=Arbeitern in Königsburg wohnhafft, erfunden, anfänglich in einer Preußischen
Sechsers oder ausländischen zwey guten Groschen=Stückes Grösse verfertiget; dabey er auch
Brillen=Gläser von Bernstein, dergleichen wie der Brenn=Speigel vorhin nie gesehen worden,
sehr künstlich zu machen weiß. Dieses ist aber bey dieser neuen Erfindung zu mercken, daß
der Künstler den Bernstein auf eine besondere Art zuzurichten, und ihm die Durchsichtigkeit
zu geben weiß: Und ob er gleich solches als ein Geheimniß einige Zeit verborgen gehalten,
so sind dch welche dahinter gekommen, daß er den allbereit beschliffenen und polirten
Bernstein in Lein=Oel mir sanfftem Feuer so lange siedet, biß er seine gelbe Farbe verlohren,
und hell und klar worden, welches die Bernstein=Arbeiter sonst auch bey Reynigung derer
Corallen zu thun pflegen. Durch welches Sieden dann dem Bernsteine das überflüßige Oel,
welches die Durchscheinigkeit hindert, benommen, auch zugleich einem Glase ähnliche Gestalt
zu wege gebracht wird. Des Glossarium Geologicum Magicum 2ter Theil !
[ Drachen-Bestiarium - Auswahl ]
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